Spurensuche

Obernkirchen Ortsspaziergang

Kleine Ortsgeschichte

"Overnkerken", der Ortsname geht auf die Stiftsgründung zurück. Vermutlich existierte eine kleine Kirche, die weiter oben lag als die Vehler Kirche, somit war sie die „overe Kerke“. Die Einwohner des Ortes unterstanden der Stiftsherrschaft.

Kaiser Friedrich Barbarossa verlieh dem Stift Obernkirchen auf dem Reichstag zu Erfurt 1181 die Marktrechte und begründete damit den ältesten Marktstandort in Schaumburg. In Erinnerung daran gibt es im Abstand von zwei Jahren den „Barbarossa Markt“. In Obernkirchen ging nichts ohne und schon gar nichts gegen das Kloster. Seine Privilegien ließ sich das Stift immer wieder am jeweiligen Kaiserhof bestätigen.

Alte Bückeburg

ist noch heute die Straße benannt, wo sich eine alte Burganlage befand. Die Quellenlage dazu ist verworren und unzuverlässig (Schneider, Weiß-Gelbe Stadtgeschichte, 2018, S.20 ff). Wir wissen nichts Genaues über die Geschichte der Burg. Urkundlich erwähnt wird 1180/81 die Schenkung der Burg durch Hermann von Arnheim an das neu gegründete Stift. Interessant ist ein Stadtplan von 1778, auf dem die Lage der Alten Bückeburg eingezeichnet ist. Heute findet nur das Auge des Fachmanns Spuren des Standortes.

Stift Obernkirchen

Die Anfänge des Stiftes liegen im Dunkel, auch Historiker können nur Vermutungen anstellen. Nachweislich jedoch wurde es 1167 von Bischof Werner von Minden, ebenfalls ein Arnheimer, gegründet und erhielt die Herrschaft über Obernkirchen. Die Leitung erhielt ein Probst. Nach einem Brand, der die frühere Basilika bis auf das Westwerk vernichtete, konnte um 1355 die Stiftskirche als Hallenkirche im gotischen Stil geweiht werden. Die Unabhängigkeit des Ortes vom Stift kann mit der Einrichtung eines Rates um 1520 angenommen werden. Nach der Reformation um 1560 wurde aus dem Kloster ein adliges evangelisches Damenstift. Man wählte eine Äbtissin, die zusammen mit dem Probst die wirtschaftliche Führung übernahm. Unter napoleonischer Herrschaft wurde das Stift 1810 aufgelöst, jedoch bereits 1814 durch die gute Verbindung zur hessischen Herrschaft wieder hergestellt. 1866 entstanden neue Grenzen. Von nun an gehörte das Stift zur preußischen Provinz Hannover. 1946 erhielt die Niedersächsische Klosterkammer die Aufsicht über das Stift.

Die Reformation

brachte der Bevölkerung von Obernkirchen die langersehnte Befreiung von der Vorherrschaft des Stiftes. Gegen die Zahlung von 500 Reichstalern entließ der Schaumburger Graf Otto IV die Einwohner aus der Leibeigenschaft des Stiftes. Die bürgerliche Selbstverwaltung in Form der Fleckenrechte 1565 war eine logische Folge.

Fürst Ernst zu Holstein und Schaumburg

verlieh Obernkirchen 1615 die Stadtrechte mit strengen Auflagen. Die Misthaufen hatten vor den Häusern zu verschwinden, die Strohdächer waren durch Ziegeldächer zu ersetzen. Das Fachwerk musste verkleidet werden, der Ratskeller stets einen trinkbaren Wein vorrätig haben. Kurz, man hatte sich "städtisch" zu benehmen.

Der Dreißigjährige Krieg

setzte der unbefestigten Stadt schwer zu. Zwischen den ständig umkämpften Weserfestungen Hameln und Minden gelegen, waren Plünderungen und Kontributionserpressungen durchziehender Truppenteile an der Tagesordnung. Die Pest raffte im Jahre 1626 fast ein Drittel der Bevölkerung hinweg. Am Ende dieses Krieges waren von ehemals 150 bewohnten Häusern 90 verfallen oder von ihren Bewohnern verlassen.

Eine hessische Stadt

wurde Obernkirchen infolge der politischen Neuordnung nach dem 30 jährigen Krieg. Schaumburg wurde geteilt in Schaumburg-Lippe und die hessische Grafschaft Schaumburg. Obernkirchen geriet dadurch in eine wirtschaftliche und verkehrstechnische Randlage: direkt vor den Toren der Stadt die Grenze zu Schaumburg-Lippe, im Rücken der Bückeberg.

Preußische Ordnung

kehrte nach 1865 in Obernkirchen ein. Als Teil der preußischen Provinz Hessen-Nassau entwickelte sich die Stadt in der Folgezeit zu einem beachtlichen Mittelzentrum. 1900 schloss die Rinteln-Stadthagener Eisenbahn die Stadt an das Schienennetz an. Bereits 1905 brachten die Bergwerksbetriebe den elektrischen Strom in die Stadt. Das Justizamt wurde zum Amtsgericht erhoben. Die Bergvorschule Obernkirchen der Berg- und Hüttenschule Clausthal stand am Anfang so mancher bergmännischen Karriere. Eine Landwirtschaftliche Frauenschule des Reifensteiner Verbandes zog ab 1901 Schülerinnen aus dem ganzen Reichsgebiet nach Obernkirchen.

Nachkriegsgeschichte

ist die Eingliederung von Heimatvertriebenen, besonders aus Schlesien, die Obernkirchens Einwohnerzahl nahezu verdoppelten. Erhebliche Anstrengungen im Wohnungsbau waren erforderlich. Das starke Anwachsen der Bevölkerung machte Schulerweiterungs- und Neubauten erforderlich. Kanalisation, Straßennetz und zentrale Wasserversorgung wurden ausgebaut und Baugebiete erschlossen. In den 50er Jahren waren die Obernkirchener Märchensänger - später als „Schaumburger Märchensänger“ bekannt - musikalische Botschafter in aller Welt.

Die Gebietsreform

gliederte 1974 die ehemals selbstständigen Gemeinden Gelldorf, Vehlen, Krainhagen und Röhrkasten in die Stadt Obernkirchen ein. Bereits einige Jahre vorher waren die schaumburg-lippischen Dörfer Beeke und Rösehöfe eingemeindet worden. Alle Dörfer blicken auf eine lange eigene Geschichte zurück. Vehlen ist das älteste (1055), seinerzeit mit dem Gogerichtsplatz des „Bukkigaues“ und der alten Taufkirche am „Helweg vor dem Sandforde“ (heute B 65). In Röhrkasten gab es 1185 einen Adelshof, aus dem sich die Ortschaft entwickelte. Gelldorf hat erst in diesem Jahr, 2018, seine erste urkundliche Erwähnung vor 800 Jahren (1218) gefeiert. Krainhagen datiert von 1223. Die bäuerlich strukturierten Dörfer hatten seit dem Ende des 19. Jahrhunderts einen starken Anteil von Bergleuten in der Bevölkerung, die größtenteils Nebenerwerbslandwirtschaft betrieben. In Krainhagen wohnten zahlreiche Glasmacherfamilien.

Quelle: Ortsspaziergang Obernkirchen (Route in der Karte nach einem Vorschlag von Horst Kiekhäfer)


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