Bergbau im Umfeld von Lindhorst
Kleine Bergbaugeschichte
Die erste sichere Nachricht über die Kohlengewinnung im Schaumburger Land datiert von 1498. Im Rechnungsbuch des Stifts Obernkirchen rechnet der Probst mit den Kohlengräbern (Bergmänner) ab. Danach zählt dieser Kohlebergbau zu den ältesten in Norddeutschland.
Während des 30jährigen Krieges (1618-1648) kommt der Bergbau fast zum erliegen. Erst 1757 wird er wieder erwähnt. Im 1600 Jahrh. steht die Schaumburger Kohle im Wettbewerb zur englischen Kohle. Schaumburger Kohle kann z.B.nach Braunschweig nur gegen Bier eingeführt werden. Das Absatzgebiet erstreckt sich bis Osnabrück, Kassel, Halberstadt.
1811-wird in Nienstädt die 1. Kokerei gebaut, 1840 erweitert. Die „Schaumburger Öfen“ auch „Stadelöfen“ kommen zum Einsatz,
1873- sind um Beckedorf einige Stollen in Betrieb,
1911- entsteht der Tiefbauschacht I (157 m), nach langen Unterbrechungen wird
1924/26 Schacht II (233 m) fertiggestellt.
1902- Fürst Georg von Schaumburg Lippe weiht den nach ihm benannten „Georgschacht“ (244m) ein.
Zur Verarbeitung der anfallenden Kohle werden über Tage eine Kohlenwäsche, Kraftwerk, Kokerei, Wasserturm, Werkstätten, eine Waschkaue mit Bürotrakt, die sogenannte „Kohlenkirche“ und mehr erbaut. Zeitgleich kommt es zum Auffahren des Lietstollen bei Obernkirchen. Die geförderte Kohle wird in der 1907 erbauten Brikettfabrik verarbeitet.

Gruppenfoto der Belegschaft vom Beckedorfer Revier um 1903, vorwiegend in Festtagstracht. Den Hintergrund bildet der Stolleneingang des „Alten Beckedorfer Stollen“.

Als Transporthilfe werden unter Tage „Grubenpferde“ gehalten. Die meisten bleiben bis zu ihrer „Pensionierung“ unter Tage, so nicht im Schaumburger Bergbau! Nach Berichten von alten Bergleuten, die selbst Pferdeführer gewesen sind, kommen sie an den Wochenenden nach über Tage auf die Weide. Im Beckedorfer Schacht befindet sich auf der G-Sohle, ein mit Ziegelsteinen gemauerter Pferdestall mit Stellplätzen für 3 – 4 Pferde.

Nach dem Krieg ist die Not groß. Auf der Bergehalde wird hin und wieder Kohle und Altholz mit dem Abraum abgekippt, das unter Tage versehentlich in die Grubenwagen gelangte. Die Gelegenheit nutzen meist Frauen, aber auch Kinder, das wertvolle Brennmaterial in Säcken oder wie abgebildet, wenn man hatte, auf dem Handwagen nach Hause zu transportieren.
In den Revieren Lietstollen, Georgschacht, Reinsen und Beckedorf neigt sich die Kohle dem Ende zu. So werden neue Kohlenfelder in der Schaumburger Mulde gesucht und in den 1950er Jahren bei Lüdersfeld und Auhagen neue Schachtanlagen erbaut.

Bergleute am Schacht Auhagen 1960
1950 wird die Bergmanns-Siedlung Lindhorst erbaut, am 31.12.1960 fährt in Lüdersfeld die letzte Schicht ein!
Ein schönes Wahrzeichen der Bergbaugeschichte ist das Wappen von Beckedorf. Es hat die Form eines halbrunden Schildes, versehen mit drei Symbolen, die für die wesentlichen Traditionen des Ortes stehen:
= Der silberne Pflug verweist auf die lange landwirtschaftliche Geschichte dieses Ortes.
= Das Nesselblatt mit drei gekreuzten Nägeln verweist auf die Zugehörigkeit zur Grafschaft Schaumburg.
= Der in schwarz dargestellte Förderturm erinnert an die alte Bergbautradition, die bis in das Jahr 1873 zurückreicht.
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