Die Schaumburger Eisenbahn
Zu dem Thema Eisenbahnen gibt es im Schaumburger Land zahlreiche Veröffentlichungen. Darüber hinaus befassen sich Freunde historischer Eisenbahnen und deren Strecken mit der Sammlung und Pflege unterschiedlichster Exponate. – Daher beschränkt sich diese zusammenfassende Darstellung auf einige wenige Fakten.
Die Erschließung des Raumes zwecks Förderung wirtschaftlicher Interessen veranlasste Preußen in der Mitte des 19. Jahrhunderts, eine Berlin mit dem Ruhrgebiet verbindende Eisenbahnstrecke zu planen. Unter Berücksichtigung der naturräumlichen Gegebenheiten sollte neben anderen eine Trassenvariante nördlich des Steinhuder Meeres allein durch hannoversches/preußisches Gebiet verlaufen. Der Streckenverlauf durch das Fürstentum Schaumburg-Lippe konnte erst nach zähen Verhandlungen erreicht werden. Da die lineare Führung dieser Hauptbahnstrecke die regionalen Auswirkungen einschränkte, sollte der ländliche Raum durch Neben- und Kleinbahnen sowie Industriebahnen verkehrsmäßig besser erschlossen werden.
Streckennetz
Die Hauptbahnlinie Minden – Hannover
Fürst Georg Wilhelm zu Schaumburg-Lippe bestand auf der eigenen Finanzierung der durch sein Fürstentum führenden Strecke. Unter Berücksichtigung möglicher Kostensteigerungen wurde für den auf mehr als 800.000 Taler angesetzten Bahnbau – Gleiskörpers, Bahnhöfe und sonstige Bahnanlagen – mit den Bückeburger Bankhaus Heine ein Vertrag über 1,5 Mio. geschlossen. Nach dem Zusammenbruch der völlig überforderten Privatbank übernahmen Hamburger Bankhäuser die Kredite. Der Fürst investierte rund 2 Mio. Taler für den Bahnbau und die Ablösung der Kredite. 1847 waren die Bahnhöfe in der Residenzstadt (Architekt Julius Eugen Ruhl) und in Stadthagen fertig gestellt. An der Rückseite des Bückeburger Bahnhofs erinnert das in Sandstein gehauene und bemalte schaumburg-lippische Fürstenwappen mit den Initialen G. W. und der Jahreszahl 1847 an die Eröffnung der Bahnlinie Hannover – Minden mit Haltepunkt in Lindhorst und Bahnanschluss in Kirchhorsten nahe des industriellen Zentrums Obernkirchen.
Als Fürst Adolf Georg zu Schaumburg-Lippe die Bahnlinie 1882 für 5 Mio. Mark an Preußen verkaufte, hatte das Königreich bereits die 3 ½-fache Summe der von Schaumburg-Lippe eingebrachten Investitionen als seinen Anteil der Bruttoeinnahmen an Bückeburg überwiesen.
Hessen erreichte unter vergleichbaren Konditionen die Errichtung einer Haltestelle in Haste. Der Betrieb erfolgte von Hannover aus und die Bruttoeinnahmen wurden geteilt. Einen Anschluss des Badeortes Bad Nenndorf an die Bahnstrecke Hannover – Minden gab es nicht. Die Kurgäste wurden bis 1872 mit Droschken vom Bahnhof Haste in den Kurort gefahren.
Nebenbahnen
Die Hannover-Altenbekener Eisenbahn erschloss das Gebiet des Kreises Grafschaft Schaumburg durch drei Nebenbahnen:
• Am 15. August 1872 war die sog. Deisterbahn zwischen Haste über Barsinghausen nach Weetzen fertig gestellt. Ursprünglicher Zweck dieser Strecke war hauptsächlich der Abtransport der Kohle aus dem Deister, die damals in großer Menge gefördert wurde. Bad Nenndorf erhielt einen eigenen Bahnhof „Groß Nenndorf“. – Bis Mai 1977 in Betrieb.
• Durch das Wesertal verlief die von Hameln über Rinteln und Minden nach Löhne führende Bahnstrecke, die am 15. Mai 1875 dem Verkehr übergeben wurde.
• Im Sünteltal verband die 1904 eingerichtete Bahnlinie das Kurbad Nenndorf mit Münder über Rodenberg und Lauenau. – 1968 wurde die Personenbeförderung eingestellt.
Eine Rinteln mit Stadthagen über Obernkirchen verbindende Eisenbahnlinie mit der von Bückeburg nach Bad Eilsen führenden Querverbindung war schon 1847 als Städteverbindung bzw. zur Vernetzung der Hauptbahnstrecke Minden – Hannover mit der Weser und dem Produktionsstandort Obernkirchen angedacht worden. Das Interesse des Fürstentums Schaumburg-Lippe beschränkte sich jedoch auf den Bau von Kurzstrecken zur Anbindung eigener Industrieanlagen:
Die am 1. Juni 1879 in Betrieb genommene Bahn führte von Stadthagen am Georgschacht vorbei Richtung Osterholz zur Koksbrennerei in Nienstädt. Die davon abzweigende kurze Stichbahn endete am Kunstschacht O. D. 3.
Die Grundlage für die südliche Verlängerung dieser von Stadthagen nach Nienstädt führenden Industriebahntrasse an Rinteln legte 1898 ein zwischen Preußen und Schaumburg-Lippe geschlossenen Staatsvertrag. Am 2. März 1900 nahm die Rinteln-Stadthagener Eisenbahn ihren Betrieb auf. Die Strecke dieser normalspurigen Nebenbahn führte von Rinteln über Steinbergen – Bad Eilsen – Krainhagen/Röhrkasten – Obernkirchen – Sülbeck – Nienstädt – Georgschacht nach Stadthagen.
Kleinbahnen
Mit Erlass des Preußischen Kleinbahngesetzes vom 28. Juli 1892 war der Weg frei für eine neue, insbesondere kostensparende Variante des Eisenbahn-Anlagenbaus. In Schaumburg-Lippe fehlte eine derartige gesetzliche Grundlage. Zuständig für Bahnen, deren Gleiskörper auf bzw. neben vorhandenen Straßen ohne aufwendigen Unterbau verliefen und hauptsächlich dem Personenverkehr dienen sollten, war das Fürstliche Ministerium in Bückeburg.
• Die 1896 als Aktiengesellschaft gegründete Steinhuder Meer-Bahn führte durch preußisches und 14 km durch schaumburg-lippische Territorium. Sie verband schon 1898 die Stadt Wunstorf mit Rehburg und ein Jahr später mit Uchte. Sie führte über Klein Heidorn, Großenheidorn, Steinhude und Hagenburg nach Rehburg und querte bei Stolzenau die Weser. Neben der Beförderung von Personen auf der 1 m breiten Spur stand die von Produkten der an der Strecke liegenden Fabrikationen – Brennereien und Webereien – sowie Brenn- und Baumaterialien. – Die Schmalspurbahn wurde 1970 aufgegeben und der Verkehr auf Busse umgestellt.
• Der zunehmende Güterverkehr erforderte 1904 den Bau einer Stichbahn. Der als Normal- und Schmalspur konzipierte Gleiskörper verband das Alkaliwerk Sigmundshall in Bokeloh mit Wunstorf. – Der Kalischacht wurde 1931 stillgelegt.
Der 1913 zwischen Preußen und Schaumburg-Lippe geschlossene Staatsvertrag regelte die Querung mit der Staatsbahn Hannover – Minden. Damit war die Voraussetzung für die seit Jahrzehnten, insbesondere von der Glashütte geforderte Anbindung des Industriezentrums Obernkirchen an Bremen geschaffen. Es dauerte noch acht Jahre bis zur Fertigstellung des Anschlusses an den Bahnhof Stadthagen-West (1921). Die knapp 30 km lange „Bagdadbahn“ führte nach Stolzenau und damit bis an die Bahnlinie Minden – Nienburg. In Niedernwöhren befand sich die einzige Station auf schaumburg-lippischen Gebiet. – Die Personenbeförderung wurde 1961 eingestellt.
Erklärung für den Spitznamen „Bagdad-Bahn:
Diese geht darauf zurück, dass die Bahnstrecke schon zur Zeit des ersten Weltkrieges errichtet werden
sollte, aber erst danach fertig wurde. Das bereitliegende Material mußte im Krieg jedoch in die Türkei als Kriegsverbündetem geliefert werden, um dort den Aufbau der Infrastruktur zu fördern. Noch heute kann
man auf dieser Strecke Bahnhofsgebäude sehen mit verblüffender Ähnlichkeit mit den hiesigen.
Die im Juli 1919 in Betrieb genommene Eilser Kleinbahn schuf – wenn auch nur als Zweigbahn – den seit 1847 geplanten Anschluss Bückeburgs an die von Rinteln nach Stadthagen führende Bahn. – Das „Eilser Minchen“ verkehrte im Mai 1966 zum letzten Mal auf dieser Trasse.
Auf Initiative des Fürsten Adolf zu Schaumburg-Lippe war die Eilser Kleinbahn von Bückeburg aus in Richtung Minden verlängert und ebenfalls 1919 eröffnet worden. Sie verlief parallel zur Staatsbahn und sollte die nahe Evesen geplante Pferderennbahn verkehrsmäßig erschließen. 1922 wurden die Gleise wieder abgebaut.
Die Bahnverbindung mit Lippe war bereits 1904 angedacht worden. Aber erst zwischen 1927 und 1929 konnte die von Barntrup nach Rinteln führende Extertalbahn in Betrieb genommen werden. Die Bahnstrecke wurde 1979 stillgelegt.
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