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In Sachsenhagen sind Juden seit Anfang des 17. Jh. nachweisbar. Nach 1606 wird ein Jude in Sachsenhagen erwähnt. 1750 lebten in Sachsenhagen drei Familien mit insgesamt zehn Personen, das waren genau 5 % der Bevölkerung. Zu der Gemeinde gehörten auch die Juden aus dem benachbarten schaumburg-lippischen Dorf Bergkirchen. 1823 bestand die jüdische Gemeinde Sachsenhagen aus 16 Männern, elf Frauen und 20 Kindern. Sachsenhagen hatte auch eine Synagoge. Analog zu der allgemeinen Entwicklung im Reich traf auch die Juden in Sachsenhagen im April 1933 der Boykott. Nach dem Kriege wurde die Synagoge als Scheune genutzt und später zu einem Wohnhaus umgebaut. Es gab Verhaftungen und Deportationen. 1942 lebten noch 19 Juden in Sachsenhagen. Am 1.April 1942 fand eine erste Deportation statt, von der dreizehn Personen betroffen waren. Fünf Personen wurden am 23. Juli 1942 über die israelitische Gartenbauschule in Ahlem bei Hannover nach Theresienstadt deportiert. Von dem letzten Transport überlebte nur Rosa Philippsohn. Die Grundschule Sachsenhagen wurde seit dem Jahr 2000 zum Andenken an eine jüdische Schülerin Gerda-Philippsohn Schule benannt. Ungewöhnlich am jüdischen Begräbnisplatz ist sein schmaler Zugang zum eigentlichen Gräberfeld, da hier ehemals ein Weg zum dahinterliegenden kleinen Dühlfeld entlang führte. Selbst 1835 wurde dieser noch als Fuhrweg benutzt, obwohl der Friedhof schon eng belegt war. Diese widerrechtliche Handlung konnte einzig durch den Hinzukauf des dahinterliegenden Gartens unterbunden werden, der noch an seinem spärlichen Bestand jüngerer Steine und an einem trennenden Grat zwischen dem Gräberfeld zu erkennen ist. Es fällt auf, daß an keinem der Mäler die bekannte jüdische Symbolik auftaucht. Der letzte Stein wurde in 1943 aufgestellt.

Quelle: Spurensuche Seeprovinz und Themenposter Begr Beiblatt im DIN-A4 Format: download Beiblatt im DIN-A3 Format: download Beiblatt historische Karten: download |