Fuhlen  


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fuhlen Fuhlen wurde erstmals im Jahr 1146 urkundlich erwähnt. Der Name des Ortes bedeutet „sumpfig, faulig“ und ist in Norddeutschland von dem Wort „Pfuhl“ (Stillgewässer oder flacher Tümpel) abgeleitet, wohl aufgrund der Lage direkt an der Weser. Siedlungsreste weisen jedoch auf eine Gründung schon vor dem Jahr 800 n. Chr. hin. Im Jahre 779 schlug Karl der Große während der Sachsenkriege ein Heerlager bei „Medofulli“ auf und führte es in die „Schlacht auf dem Dachtelfeld“. Dieses Lager wird heute an der Weser bei dem Ort Fuhlen verortet. Verschiedene Grundherren hatten in Fuhlen Landbesitz, so die Kirche mit den Klöstern in Fischbeck, Minden, Herford und Paderborn, aber auch die weltlichen Herren der Grafen von Schaumburg. Gutes saatfähiges Land war zwar genug da, aber es fehlte an Menschen, es zu bewirtschaften. Die Böden des Wesertals gehören infolge der häufigen Überschwemmungen zu den fruchtbarsten Böden mit hohen Ackerwertzahlen und waren für den Ackerbau ideal. So wurde um das Jahr 1200 das bäuerliche Meierrecht eingeführt, um die von den Bewirtschaftern zu leistenden Abgaben an die Grundherrschaft zu regeln (Zehnte, Frondienste). Dies hatte zur Folge, dass das „sadige“ (fruchttragende) Land in die Hände von gräflichen Gefolgsleuten, den „Burgmannen“, die auch die militärische Hausmacht der Schaumburger Grafen bildete, gelangte.. Namen wie „von Münchhausen“, „von Bardeleben“ oder „von Semele“ prägten große Güter, so auch in Fuhlen. Die Burgmannen setzen wiederum ihrerseits oft hörige Bauern auf die entstehenden Hofstellen. Mit der Einführung der Steuerlisten im 16. Jahrhundert waren die abgabenpflichtigen Höfe noch der Reihe nach aufgeführt. Anfang des 17. Jahrhunderts wurden die Höfe dann der Größe nach geordnet und es wurden sog. „Meierbriefe“ ausgestellt. Man unterschied die Höfe fortan in Meier-, Köther- und Brinksitzerhöfe. Die Meierhöfe gehörten der ersten mittelalterlichen Siedlungsphase an und zählten zu den größten Hofstellen im Ort. Auch die Siedlungsgruppe der Köther wurde zu dieser Zeit begründet. Ihr Besitz bestand zumeist aus zugerodetem Land und lag unterhalb der Größe der Meierhöfe. Die Gründung der noch kleineren Brinksitzer-Hofstellen erfolgte überwiegend im 16. Und 17. Jahrhundert. Die Brinksitzer konnten von ihrem Land nicht auskömmlich leben und waren auf einen Nebenerwerb angewiesen. Große überregionale Bedeutung erlangte Fuhlen aufgrund seiner Lage direkt an der Weser an einer Furt und zwar auf dem alten Heerweg nach Süden ins Lippische. So wurde dort mehrfach ein dauerhafter und fester Weserübergang angelegt und gesichert. Bereits im Jahre 1407 waren zwei Brücken urkundlich erwähnt, die Fuhlen mit dem auf der anderen Weserseite gelegenen Hessisch Oldendorf verbanden. Diese historischen Brücken wurden immer wieder durch Eisgang, Feuer oder Kriegswirren zerstört, letztmalig im Jahr 1648. Nun musste für mehr als 300 Jahre eine Fähre eingesetzt werden, weil das Geld für den Bau und die Unterhaltung der Brücken infolge der Lasten und Zerstörungen des 30-jährigen Krieges fehlte. Zwischen 1615 und 1632 dämmte der Landdrost Jobst von Mengerssen die Weser bei Gut Stau bei Fischbeck ab und dies führte zu schwerem wirtschaftlichem Schaden für Fuhlen durch immer wiederkehrendes Hochwasser und Landabflüsse. Am 15. November im Jahre 1640 verstarb beim „Hildesheimer Blutmahl“ der letzte Schaumburger Graf Otto V. kinderlos in männlicher Linie und bei den folgenden jahrelangen Friedensverhandlungen zum 30-jährigen Krieg im Jahr 1648 fiel Fuhlen im Rahmen der „Schaumburger Erbteilung“ an Hessen-Kassel und wurde für mehr als 300 Jahre hessisch. Erst im Jahr 1898 wurde dann eine alte Hängekettenbrücke in Hameln nicht mehr benötigt, sie wurde gekauft und in Fuhlen an der Fährstelle wieder aufgebaut. Diese Brücke hielt bis zum Ende des 2. Weltkrieges und wurde - wie alle Weserübergänge in unserer Heimat – in der Nacht von 04. auf den 05. April 1945 gesprengt.

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